Bidirektionales laden
- 26. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Elektroautos können weit mehr als nur von A nach B fahren. Dank bidirektionalem Laden lassen sich bestimmte Fahrzeuge als mobile Stromspeicher nutzen und bei Bedarf Energie an Geräte, Gebäude oder sogar das öffentliche Stromnetz abgeben. Diese Technologie eröffnet spannende Möglichkeiten für den Alltag, die Energiewende und die Stabilisierung der Stromnetze. Doch welche Varianten gibt es, wie funktionieren sie und wo liegen die Chancen und Grenzen?

Was ist Bidirektionales Laden?
Gewisse Elektro- und Hybridautos können können als Stromspeicher genutzt werden und ihren Strom auch abgeben um zum Beispiel Friteuse, Kühlschrank, TV, etc zu betreiben. Aber auch um das eigene Haus zu betreiben, wenn die PV-Anlage zu wenig Strom abgibt und kein Extra Akku dafür gekauft werden soll.
Zukunft
Langfristig können Elektroautos mit dieser Möglichkeit einen wichtigen Beitrag leisten um das Stromnetz zu entlasten und stabilisieren.
Einstellung beim Elektroauto
Fahrzeuge mit dieser Funktion haben in den Einstellungen die Möglichkeit anzugeben, wie weit die Batterie entladen werden darf. Meistens gibt es durch den Hersteller auch Limiten, welche dann noch selber angepasst werden können. So funktioniert das Bidirektionale laden bei VW zum Beispiel nur im Ladebereich von 20% bis 80%. Möchte man selber aber mind. 30% immer im Akku haben, kann das entsprechend eingestellt werden.
Verbreitung dieser Technologie
Aktuell gibt es noch nicht viele Autos die diese Technologie unterstützen. Es werden aber immer mehr.
Folgende Fahrzeuge bieten aktuell V2X an:
Audi Q4 e-Tron
BMW iX3
BYD Atto 2, Atto 3, Dolphin, Dolphin Surf, Han, Seal
Cadillac Escalade IQ
Citroen C-Zero
Cupra Born, Raval, Tavasacan
Ford Explorer, E-Transit Custom, F-Lightning, Capri
Genensis Electrified GV60, GV80, GV70
GMC Sierra EV
Honda e
Hyundai Inster, Ioniq 5, 6, 9 Kona Elektro
KIA EV2, EV3, EV6, EV9, Niro EV
Leapmotor C10
Lucid Air
Mazda MX-30 R-EV
Maxus eTerron 9
Mercedes CLA, EQE (geplant), GLB, GLC
Mitsubishi Outlander, iMIEV
MG 4, 5, Marvel, ZS EV
Nissan Leaf, eNV200
Opel, Astra, Combo, Corsa, Grandland, Mokka
Peugeot iOn
Polestar 3
Renault 4, 5, Megane, Scenic
Škoda Enyaq, Elroq, Epiq
Tesla Cybertruck (US Spec)
Volkswagen ID.3, ID.4, ID.5, ID.7 ID.Buzz
Volvo EX60, EX90
XPeng G6, G9
Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. Die Fahrzeuge variieren je nach Land und/oder Region.
Die Unterschiedliche Varianten im Überblick: V2X, V2L, V2H, V2G
Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Bidirektionalem laden. Zusammengefasst wird dies als V2X genannt. Jede Variante hat seine Fähigkeiten. Nicht jedes Auto beherrscht jede Möglichkeit.
V2X, Vehicle-to-Everything
V2X ist der Sammelbegriff für die Vehilce-to-... Technologie. Diese Bezeichnung weist nur mal darauf hin, ein Fahrzeug fähig ist, energie abzugeben. Es ist aber noch nicht klar, welche Technologie es unterstützt.
V2L, Vehicle-to-Load oder V2D, Vehicle-to-Device
Das ist die einfachste Variante und jene, die alle BEV können, die Bidirektional laden können.
Bei dieser Version hat das Auto eine Extra Steckdose wie man sie von Zuhause kennt. Daran kann ein oder mehrere Geräte betrieben werden. Entweder besitzen die Fahrzeuge irgendwo im oder am Auto eine eigene Steckdose oder aber, das Auto hat, wie im Bild oben einen Adapter, um diesen über die Ladebuchse zu beziehen.
Diese Möglichkeit ist also nichts anderes als einfach ein Gerät nehmen, beim BEV einstecken und das Gerät erhält die Energie aus dem Fahrzeug.
Anwendungsbeispiele
Beim (Wild)Campen, auf Festivals, Tagesausflüge: Einfach die Fritteuse, Kühlbox etc. einstecken und man braucht keine weitere Steckdose.
Für Arbeiten in der Natur: Beste Beispiele sind Förster, Bauarbeiter etc. Sie können ihre Geräten direkt vor Ort am Auto anschliessen. Dies ist natürlich nur beschränkt Sinnvoll und machbar.
V2H, Vehicle-to-Home
Ganz simpel ausgedrückt ist das dann nichts anderes als ein Akku, der das Haus bzw. Gebäude mit Energie versorgt. So kann unter anderem bei schlechtem Wetter die PV-Anlage unterstützt werden. Als Übergangslösung ist das eine saubere sache, auf Dauer empfiehlt es sich aber, für Zuhause einen Akku einzubauen, der auf diese Weise unterstützen kann. Wird die Energie aus der Autobatterie genommen, besteht das Rest Risiko, dass zu Wenig Energie im Auto ist und Unterwegs "teuer nachgeladen werden muss.
Damit wird das eigene Zuhause energietechnisch stabilisiert und selbst in kritischen Situationen kann eine gewisse Zeit mit der Energie des Fahrzeuges gelebt werden.
Damit dies Funktioniert, benötigt es eine spezielle Wallbox. Diese sind zur Zeit noch nicht sehr stark verbreitet.
V2G, Vehicle-to-Grid
Bei dieser Technologie geht man noch einen Schritt weiter als beim V2H. Hier speist das Auto die Energie aus dem Akku direkt ins öffentliche Energienetzwerk.
Damit dies aber funktioniert werden einige Voraussetzungen benötigt:
Wallbox: Nicht jede Wallbox ist für V2G ausgelegt. Jene die das können sind aber noch selten.
Energiemanagementsystems: Damit wird gesteuert wann welche Energie genutzt wird (z. B. PV-Anlage, Netzbetreiber, Fahrzeug). Wann Strom dann aber ins öffentliche Netz eingespeist wird, entscheidet der Netzbetreiber.
Smart Meter: Ein intelligentes Messsystem muss die Daten der Energieführung (in welche Richtung wieviel Energie fliesst) dem Netzbetreiber melden, damit dies korrekt verrechnet werden kann.
Stromtarif: Damit es eine Vergütung für das Einspeisen von Strom gibt, ist ein entsprechender Stromtarif nötig.
Bidirektionales Laden und V2L in Krisengebieten
Schon seit 2012 gibt es den Mitsubishi Outlander PHEV (Plug-In-Hybrid) mit entsprechender V2L Fähigkeit. Ebenso konnte der Mitsubishi iMIEV Energie ausgeben.
Auf dem heimischen Markt in Japan existiert deshalb ein Abkommen zwischen Mitsubishi und Japan, das seit ende 2022 eine flächendeckende Fahrzeugflotte in Krisensituationen bereit steht. Diese wird mit Händler bewerkstellig. So konnte zum Beispiel im Jahr 2018, als Japan mehrere Naturkatastrophen bewältigen musste auf diese Lösung mit den V2L-Fähigen Fahrzeugen von Mitsubishi zurück gegriffen werden.
Nachteile des Bidirektionalem laden
Limitierung der Nutzung durch den Autohersteller
Wie jede Batterienutzung ist auch dieser Strombezug in einer Weise eine Belastung für die Batterie. Wird dies auf Dauer und Regelmässig gemacht, kann dies die Batterie ähnlich Schaden wie wenn das Auto gefahren wird. Die Autohersteller sind sich dessen bewusst, und suchen teilweise nach Lösungen.
Gewisse Fahrzeuge unter anderem Volkswagen als Beispiel haben Limiten, wie oft bzw. wieviel Energie im V2X Modus aus dem Fahrzeug entnommen werden kann. So können die Elektrischen Modellen, welche V2X unterstützen auf ihre Lebensdauer max. 10'000 kWh abgeben oder Max. 4'000 Arbeitsstunden.
Wieviel sind 10'000 kWh, wenn dies "verfahren würde? Bei einem Verbrauch von 17 kWh/100 km würde dies für eine Distanz von 66'666 km reichen. Also etwa das, was eine durchschnittliche Person in 3 Jahren fährt.
Fazit
Bidirektionales Laden gehört zu den spannendsten Entwicklungen der Elektromobilität. Ob beim Camping, als Notstromversorgung für das eigene Zuhause oder künftig zur Stabilisierung des Stromnetzes. Elektroautos können deutlich mehr leisten als reine Fortbewegung. Noch stehen Verfügbarkeit, Infrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen am Anfang, doch die Anzahl kompatibler Fahrzeuge wächst stetig. Damit könnte das Elektroauto in Zukunft nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres Energiesystems werden.
Quellen
https://www.auto-medienportal.net/artikel/detail/49960 Mi. 03.06.2026
https://www.blick.ch/auto/zukunft-der-elektromobilitaet-renault-macht-den-zoe-zum-mini-kraftwerk-id15342681.html Mo. 01.06.2026
https://www.e-mobileo.de/bidirektionale-fahrzeuge-liste/ Sa. 13.06.2026



